Fahrradunfall mit Bus

Fahrradstreifen sind problematisch

Ein Prozess gegen einen Busfahrer, der in Frankfurt eine Radlerin überfuhr, verdeutlicht die Problematik der Fahrradstreifen.

Auf vielen innerstädtischen Straßen befindet sich am rechten Fahrbahnrand ein schmaler, durch eine weiße Linie von der Fahrbahn getrennter Streifen. Radfahrer glauben, es sei ein Radweg. Juristisch sind die Radfahrer im Recht und können sich das bei Bedarf auf den Grabstein meißeln lassen.

typischer Fahrradstreifen in Frankfurt Solche Radwege sollen die Lösung im städtischen Straßenverkehr sein? Foto: Peter Jülich
typischer Fahrradstreifen in Frankfurt
Solche Radwege sollen die Lösung im städtischen Straßenverkehr sein? Foto: Peter Jülich


Ein Busfahrer steht wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht. Er saß am Steuer eines Linienbusses, der am Nachmittag des 6. November 2017 auf der Adickesallee eine 14 Jahre alte Radfahrerin überfuhr. Das Mädchen wartete in einem Pulk anderer Radler vor der roten Ampel auf dem Radstreifen, der Busfahrer ein paar Meter dahinter auf der Fahrbahn. Als beide Ampeln Grün zeigten und der Bus die Radfahrer überholte, stürzte das Mädchen – unklar ist, ob der Bus es zuvor gestreift hatte. Der Bus überrollte ihr linkes Bein.

Angeklagter ist sich keiner Schuld bewusst

Der Unfall tue ihm schrecklich leid, versichert der angeklagte Busfahrer  glaubhaft. „Aber ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Er habe ausreichend Abstand gehalten, „mehr Abstand geht nicht!“ Er habe den Unfall damals so wenig bemerkt wie er ihn heute erklären könne. Er wisse, dass Fahrradfahrer im Straßenverkehr „die schwächsten Gegner“ seien. Als Berufskraftfahrer nehme er regelmäßig an Schulungen teil.


Autofahrer glauben, bei Fahrradstreifen handele es sich dabei um einen Parkplatz, Taxifahrer glauben an einen Wartebereich, Brummifahrer an eine Be- und Entladezone und Motorradfahrer an eine Ampelstau-Überholspur.


„Was lernen Sie denn in den Schulungen?“, will die Richterin wissen. „Vor allem, wie man aggressive Fahrgästen…“ Nein, fällt die Richterin Y. ins Wort, sie meine bezüglich des Überholens von Fahrradfahrern. „Mindestabstand 1,50 Meter“, antwortet Y. Es sei denn, ergänzt sein Verteidiger, der Radfahrer befinde sich auf einem Fahrradstreifen. Dann sei der Mindestabstand obsolet. So sei es, pflichtet Y. bei.

Nein, so sei es eben nicht, sagt die Richterin. Das glaubten bloß viele. Viel zu viele. „Ich sehe das mit Sorge, wie diese Linien zunehmen und sich jeder in Sicherheit wiegt.“ Aber in jedem Falle habe ein Auto- und noch mehr ein Busfahrer nun mal einen Sicherheitsabstand zum Radler zu wahren. Der ist gesetzlich nicht festgelegt, deutsche Gerichte verorten ihn aber zwischen anderthalb und zwei Metern. „Das habe ich noch nie gehört“, sagt Y. Er auch nicht, sagt sein Verteidiger. Sei aber trotzdem so, sagt die Richterin.

„Die Ampel war Grün! Ich musste fahren!“, sagt Y. Musste er nicht, sagt die Richterin, er hätte warten müssen, bis der Mindestabstand gewährleistet gewesen sei, „und wenn es eine halbe Stunde dauert“. Y. ist sprachlos. Sie habe die Fahrradstreifen nicht erfunden, sagt die Richterin achselzuckend.

„Diese Radwege können nicht die Lösung in einem städtischen Straßenverkehr sein“, plädiert die Staatsanwältin. Frankfurt müsse sich da mal was einfallen lassen. Selami Y. wird verwarnt, eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 40 Euro wird unter Vorbehalt gestellt, er muss 800 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Strafrechtlich wäre die Sache damit wohl vom Tisch, zivilrechtlich geht es weiter.

Selami Y.s Verteidiger würde „die Urheber dieser Radstreifen“, wie er das formuliert, wohl selbst mal gerne auf der Anklagebank sehen, aber da kann er lange warten.

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Ein Gedanke zu „Fahrradstreifen sind problematisch“

  1. Da würde ich gerne eher den Verteidiger auf der Anklagebank sehen. Es gibt klare Regeln wann und mit welchem Abstand Fahrradfahrer zu überholen sind. Augenscheinlich kennt dieser Verteidiger sie nicht und stellt damit selbst eine Gefahr für Fahrradfahrer dar. Radfahrstreifen sollten natürlich ausreichend breit sein. Ein Mindestmaß von 2 m sollte angestrebt werden. An Straßen sn denen dies nicht gewährleistet werden kann, muss eben eine Fahrspur für den MIV weggenommen werden. Die Städte sind gebaut. Die Planung zwischen den begrenzenden Häuserwänden muss von außen nach innen erfolgen. D.h. Ein ausreichend breiter Gehweg, ein breiter Radstreifen und der Rest bleibt für den MIV.

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